Kapelle Lübbenau Neustadt

Wer in die 1869 gestiftete Kapelle eintritt, greift zur Klinke mit der Aufschrift „Friede sei mit euch” (die Bibel, Johannes-Evangelium 20, 21). Über dem Eingang ist eine Darstellung des auferstandenen Christus in Sandstein gemeißelt. Das Gebäude diente zunächst als

Aussegnungskapelle der Toten und liegt am Tor zum Alten Lübbenauer Friedhof. Mit dem Abbau und der Verstromung der umliegenden Braunkohlevorkommen gegen Ende der 1950-er Jahre kamen Menschen aus vielen Gegenden, um Arbeit und Wohnung zu finden. Die Kapelle wurde Christen unter ihnen zum sonntäglichen Anlaufpunkt. Mit der Schließung des Alten Friedhofs gegen Ende der 1960-er Jahre fiel die Funktion als Aussegnungskapelle weg. Eine behutsame Umgestaltung des Innenraums , incl. des Einbaus von Fenstern in der Apsis, gibt der Kapelle heute den Charaker

 eines überschaubaren und kommunikativen Gottesdienstortes, in dem die Gemeinschaft gepflegt wird.

Die Gründung der Kirchengemeinde Lübbenau Neustadt – im ehemals sozialistisch geprägten Stadtteil geduldet – konnte 1959 von der Kirchenleitung in Berlin durchgesetzt werden (Dibelius). Bis heute bleibt die Prägung der Gemeinde durch das Wort Dietrich Bonhoeffers spürbar: „Kirche ist nur Kirche, wenn sie Kirche für Andere ist“.
Den Gemeindealltag prägen diakonische Aufgaben in sozial schwierigen Bereichen und die hier für den gesamten Pfarrsprengel angesiedelte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (Christenlehre und Konfirmandenunterricht). Die katholische Kirche St.-Maria-Verkündigung und die Kapelle liegen unmittelbar nebeneinander und künden auch baulich von guter ökumenischer Nachbarschaft.
Auf dem als Parkfriedhof dienenden Gelände finden sich qualitativ eindrucksvolle christliche Grabmonumente. Das älteste erhaltene Grabmal trägt den Namen Johann Nathanael Jenichen, 1725 – 1785, Lehrer und Pfarrer.
Einen Ehrenstein für den 15. Bürgermeister der Ackerbürgerstadt ließ die Verwaltung 1920 aufstellen. Er befindet sich zwischen städtischen und gräflichen Grabfeldern (zerstört um 1954; in den letzten Jahren angemessen erneuert) und trägt die Inschrift Adam Bagge 1622 – 1675. Bagge kämpfte 1642 bei Leipzig-Breitenfeld, rettete den schwerverletzten Grafen Lynar aus der Totenablage des Schlachtfeldes und pflegte ihn gesund.
Kapelle und Parkfriedhof sind ein städtebauliches Kleinod und Refugium inmitten der bauhistorisch parallel gewachsenen Stadt. Kirchengemeinde und Kommune arbeiten intensiv daran, den momentan aus Sicherheitsgründen gesperrten Teil dieses Refugiums wieder zugängig zu machen.

Sie finden die Kapelle in der Straße des Friedens 3, 03222 Lübbenau / Spreewald.